The Lot

Madness spielt am 14.07.2006 in der Zitadelle Spandau. Jetzt, da ich die Karten für das Konzert habe, mache ich davon Aufhebens. Und tue folgendes kund:

Man kennt das: Hier und da sind einem Singleauskopplungen eines Künstlers bekannt. Und da man damals jung war und alles noch mitbekam (jedenfalls meinten wir das damals, als Teenager, tatsächlich war nur unser Blick auf den Horizont etwas verengt, durch Hormone, die nicht nur Pickel in unser Antlitz warfen), kannte man »One Step Beyond« und hörte die Scheibe intensiv, also durchgehend und andauernd. Danach erst nahm man die ein oder andere Single von Madness noch wahr, aber scherte sich nicht um die Longplayer.

Als gereifter, jüngerer Herr weiss ich nun, mein Blick auf die Welt ist nicht nur eingeschränkt, er war es schon immer. Doch hinderte mich das nicht, genau The Lot zu kaufen, um endlich in Ruhe mal alles von Madness (abgesehen von der erst vor wenigen Jahren erschienenen Wonderful und der seit vergangenem Jahr erhältlichen The Dangermen Sessions Volume One) zu hören.

The Lot heisst eine Edition der ersten sechs Scheiben von Madness, die ich bereits seit 2,5 Jahren mein Eigen nenne. In dieser Zeit habe ich die CDs – auf dem iPod – unzählige Male gehört. (Ich könnt‘ natürlich jetzt mal schauen, was der iPod für Zahlen auswirft, aber was sind schon Zahlen? Hier geht es um ideelle Werte.)

Aus der ersten etwas enttäuschenden Berührung mit dem kompletten Oeuvre entwickelte sich schnell die Erkenntnis: Die Herren haben nicht nur kritisch und ironisch getextet, sondern das immer auch in fröhliche Sounds gehüllt. Ich gewann schnell den Eindruck, das ich hier wieder mal etwas gefunden habe, was mich den Rest der verbleibenden Zeit immer begleiten wird, weil es in dunklen Stunden meine Laune hebt und mein Gemüt sonnig entfacht.

Wenn man bei strömenden Sommerregen in dunkler Nacht auf dem Fahrrad einen Laternefahl mitnimmt: Mrs Hutchinson streichelt einem das Haupt und dann findet man auch als Kurzsichtiger die Brille wieder und angelt sie aus der Pfütze; ob man nach tiefer menschlicher Enttäuschung (wegen Faulheit nicht getaner Arbeit) nicht aus dem Bett kommt: Keep Moving setzt in Bewegung; und kehrt man auf ein Wochenende zurück zu den Wurzel, Rise and Fall zieht einem den Zahn der Melancholie. – So geht das noch und noch mit jedem Song.

Aber nicht nur die ersten sechs LPs (One Step Beyond, Absolutely, Seven, The Rise And Fall, Keep Moving, Mad Not Mad) findet man, sondern auch die Videos (Quick Time) zu den Hitauskopplungen, auch solcher Songs, die keinen Eingang in die Platten fanden, wie It Must Be Love oder House Of Fun. Der vergleichsweise geringe Betrag von ca. € 40,–, der für die sechs Scheiben nebst 24 Videos anfällt, die ausgesprochen gute Musik, die vom frühen Ska bis zu späteren ersten Britpop reicht und den Sound Großbritanniens von 1979 bis 1985 einfängt ist Pflicht für jede elegante Plattensammlung. Was freilich unbrauchbar ist, bei diesem Glückspaket, ist das Beibuch, das ein paar Anmerkungen zu den Platten bietet, aber keine Texte liefert.

Und NB: »Don’t touch the cat!« – It’s disgusting.

Madness
The Lot
incl. 24 Videos
ca. € 40,–


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