Archive for Juli 2006

Piraten

Juli 28, 2006

Typisch Suchsland.

Da läuft ein Film an und Rüdiger Suchsland nimmt gleich das gesamte Genre (positiv) auseinander.

Immer wieder wunderbar.

NB: Nicht erwähnt wird Der Rote Korsar (The Crimson Pirate). Herr Suchsland, nächstes Mal dann aber bitte.


Burt Lancaster und Nick Cravat in eine Szene aus Der Rote Korsar
gesetzt (könnte eine Illustration sein), die, zwar vorhanden, leider
so gar nichts mit dem Meisterwerk zu tun hat.

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Mori 1.3

Juli 28, 2006

Seit gestern gibt es die Outline- und Organisations-Applikation Mori von Hogbay Software in der Version 1.3.

Die Entwicklung geht stetig voran. Nicht zu unterschätzen ist dabei das »Mitspracherecht« der Anwender, die ihre Wünsche für die Ausstattung und Fähigkeiten von Mori mitteilen dürfen.

So hat dieser Tage jemand im Mori-Forum angefragt, ob man denn nicht eine Funktion einbauen könnte, mit der mehrere Personen gleichzeitig an einem Notizbuch arbeiten können. Das findet Unterstützung. Jesse, der Programmierer von Mori wird gefragt, ob das denn schwierig wäre zu implementieren.

my impression is yes, but i haven’t really looked at it very closely so it might not be as hard as I imagine. but i don’t think it’s something that I can just add in a week or so.

Kunde und Produzent stehen in engster Verbindung.

Darüber hinaus steht Mori auch für selbstgeschriebene PlugIns offen und ist Appleskript fähig.

Kulturpessimisten

Juli 27, 2006

Und noch mal die leidige GEZ Internetcomputer Wischerei. Ein beeindruckender Satz aus der Netzeitung:

Was in gewisser fragwürdig ist: Als ob Kulturpessimisten, die seit zwanzig Jahren auf den Fernseher verzichten, mit ihrem internetfähigen Computer nichts Besseres zu tun hätten, als plötzlich «Sturm der Liebe» zu schauen.

Nur weil man den Fernseher nicht nutzt, ist man jetzt also Kulturpessimist.


Dazu ein stimmungsvolles und kühlendes Winterbild.

Aber das sind doch die wahren Kulturoptimisten. Die glauben (vielleicht, in deren Köpfe reinschauen kann man ja noch nicht) an ein Leben ohne Fernseher:

Die lesen, singen, machen Musik, gehen ins Kino, basteln, treffen oder helfen Menschen, machen Sport, hören Konzerte, haben reichlich Sex, denken sich wilde Geschichten aus, tanzen, fotografieren, komponieren geistliche Lieder, machen Kopfstand oder schlagen Rad, fahren schwarz, betrachten den Sonnenuntergang, malen Bilder, besuchen die Nachbarn, erschöpfen die Biervorräte, kämpfen für eine erschwinglichere Raumfahrt auch für Privatpersonen und treiben auch sonst allerlei Späße, reiten ihre Steckenpferde wie weiland Onkel Toby und kommen nächtens selig zur Ruhe, stehen dann zum Sonnenaufgang wieder am Fenster und prüfen die allgemeine Lage, all das und mehr, während die anderen nur fernsehen. Vielleicht.

Merlin Mann und Quicksilver live

Juli 27, 2006

Merlin Mann, der GTD– und 43-Folders Mann, stellt bei MacBreak Quicksilver vor.

Wer Quicksilver noch nicht kennt (nicht gemeint ist der Roman von Neal Stephenson, sondern das MacTool von Blacktree): unbedingt reinschauen:


Merlin Mann (rechts): »You have just a strange way of living.«

Danach ist der Griff zu der Arbeitserleichterung Quicksilver garantiert noch leichter.

Die Gebühren für das Internet

Juli 26, 2006

Der WDR springt in Form des stellvertretenden Intendanten Norbert Seidel für die GEZ und die zukünftigen Internetcomputergebühren in die Presche. Auf netzeitung.de heisst es:

Von der neuen Regelung, die ab 1. Januar 2007 gelten soll, sind laut Seidel nur Unternehmen und Betriebe betroffen, die bisher keine Rundfunkempfangsgeräte angemeldet haben. In allen Betrieben, in denen auch herkömmliche Radios und Fernsehgeräte angemeldet seien, blieben auch die internetfähigen Computer von der Rundfunkgebühr befreit. Betriebe mit mehreren internetfähigen Computern, die bisher keine Rundfunkgebühr zahlten, müssten nur einmal zahlen, unabhängig davon, wie viele Computer genutzt würden.

Auf den Seiten der GEZ heisst es noch vollmundig:

Keine Gebühren für Internet-PCs!

Der achte Änderungsstaatsvertrag vom 8.10./15.10.2004 zum Staatsvertrag im vereinten Deutschland regelt in Art. 4, § 11 Abs. 2 die Frage der Gebührenpflicht von Internet-PCs. Danach ist grundsätzlich davon auszugehen, dass Internet-PCs zum Empfang von Rundfunksendungen geeignet sind. Dennoch erwächst daraus für die Internet-Nutzer keine unmittelbare Gebührenpflicht. Um die weitere Einführung neuer Kommunikationstechnologien zu erleichtern, sollen für diese Geräte bis zum 31. Dezember 2006 keine Gebühren erhoben werden.

Ist der PC jedoch mit einer TV-/Radio-Karte ausgerüstet, ist das Gerät – unabhängig von einem Internet-Zugang – grundsätzlich anmelde- und gebührenpflichtig, da die TV-/Radio-Karte ein Rundfunkempfangsteil und der PC somit ein Rundfunkempfangsgerät ist.

Was danach kommt, wird nicht angesprochen. Ich finde dazu keine Informationen auf der Seite der GEZ. Auch den Staatsvertrag fand ich nicht auf der Seite. Doch lief mir ein Link zum aktuellen Staatsvertrag auf der Site von GEZ über den Weg; und zur Begründung des Achten Staatsvertrages zur Änderung rundfunkrechtlicher Staatsverträge (von Interesse ist Seite 19). Beide Links finden sich in einem Artikel von Wolf Dieter Roth:

Wolf Dieter Roth hat sich im vom Mai diesen Jahres umfassend mit der Geschichte beschäftigt. Um ihn nicht groß zu wiederholen: einfach selber lesen.

Alles in allem kommt es wohl nicht so schlimm, wie ursprünglich befürchtet. Noch ist unklar, welche Gebühren erhoben werden. Was immer letztlich verlangt wird: ich halte es für unzumutbar, für Angebote zahlen zu müssen, die man nicht nutzt. Und viele werden mehr zahlen müssen als zuvor. Denn wer jetzt keinen Fernseher hat, aber einen Internet fähigen PC, wird zukünftig zur Kasse gebeten werden.

Netze im Kopf

Juli 25, 2006

Weil wir doch von der Vernetzung sprachen.

Gestern stolperte ich über eines dieser Weblogs (es könnte durchaus Indiskretion Ehrensenf Ehrensache vom Handelsblatt gewesen sein – oder ein anderes) und darüber auf einen Artikel von Herrn Saatchi (DER Saatchi! – Ich saatch sag nur »Werbung«, »Agentur«!, You know?) bei ftd.de, wo er sich bei seinem Abgesang auf die Werbung auf irgendeine Untersuchung bezieht. Aber hören wir einfach mal rein:

Alles spielt sich im Kopf ab – alles ist nur noch eine Frage der Psychologie. Sozialwissenschaftler teilen die Welt heute in „Digital Natives“ und „Digital Immigrants“ ein. Zu den Letzteren zählen alle Menschen, die älter als 25 sind. Sie mussten die Digitalsprache mühsam erlernen. Und sprechen sie bis in alle Ewigkeit mit starkem Akzent. Die Jüngeren dagegen haben sie wie eine Muttersprache erlernt, mühelos während des Aufwachsens.

Das neueste Gebrechen, so die Neurowissenschaft, besteht darin […] , dass sich das Hirn des Digital-Muttersprachlers physisch verändert hat. Seine Synapsen sind vernetzter. Es reagiert schneller. Es siebt aus und speichert weniger, sein Erinnerungvermögen ist geringer.

Ja, wir ziehen uns da einen anderen Menschen heran. Und das ist auch ganz normal so. Ich habe keine Bedenken. So ist das: Andere Umstände, andere Menschen.

Im Hinblick darauf ist der Kommentar von Stephan Fröhder trotz der Hitze bestens geeignet, die Sache auf einen Punkt zu bringen: Medienkompetenz ist nach wie vor wichtig. Und die werden die Jungvernetzten sich – spielend – erarbeiten, eben gerade aufgrund des Umgangs mit der Fülle an Daten (ob das Informationen sind, steht auf einem anderen Blatt). Doch ein wenig Hilfestellung und Orientierung können wir Älteren (Eckhard Henscheid) ihnen mitgeben.

Kreise ziehen

Juli 25, 2006

Beobachtet man Statements der Presse über Blogger und das Bloggen, wird immer wieder deutlich, dass da ein großes Mißverständnis vorherrscht. Bestätigt wird das diesmal auf N24, wo über eine Untersuchung vom Forschungszentrum Pew Internet und American Life Project Bericht erstattet wird (man hätte ja auch kurz »berichtet« schreiben können, aber hier wird »erstattet«):

Nur fünf Prozent der Blogger widmet sich hauptsächlich der Behandlungen von Nachrichten und Neuigkeiten – während 37 Prozent vornehmlich über eigene Erfahrungen und das eigene Leben reflektieren. Dieses Ergebnis einer neuen Studie steht Erwartungen entgegen, Weblogs könnten die Tageszeitungen von morgen werden.

Ja Herrschaften, wollen Blogger die Tageszeitung von morgen sein? Wer sagt denn sowas? Na, die Medien natürlich, die aus Unkenntnis Angst haben. Freilich gibt es ambitionierte Blogger, die auch zum Teil bessere Arbeit abliefern als Journalisten. Aber hey: zig Millionen Weblogger, und jeder Blogger ein Journalist?

Eine der Forscherinnen (darüber wird geforscht!, kann man ja irgendwo auch verstehen, aber das Ergebnis …), nämlich Amanda Lenhart, teilt uns laut N24 mit:

»Blogs sind so individuell wie die Leute denen sie gehören, aber diese Studie beweist, dass Blogger in erster Linie an ihrer eigenen kreativen Selbstdarstellung interessiert sind«

Oh, it’s shocking!

Ein Blick in ein paar Weblogs hätte es zu dieser Erkenntnis auch getan. – Danke für die bestens angelegten Forschungsgelder.

Bart dank Petty

Juli 25, 2006

Zurück zu den Anfängen.

Als ich vor bald zwei Jahren mit dem Blog Die Kritiker begann, gab es jede Woche den Überblick über die CD-Rezensionen von Jan Wigger und Andreas Borcholte auf SpOn. Irgendwann hab ich das eingestellt. Was soll das, hab ich mich gefragt, die Leser haben es spätestens nach dem Dritten Mal begriffen. – Ich lese die Sparte Abgehört seit dem fort, und es nervt immer wieder mal gewaltig, was die Herren für teilweise selbstgefälligen und elaborierten Mist los brechen, gerade der Herr Wigger, weil er zur Musik mal wieder nichts zu sagen weiss und seine umfangreichen Kenntnisse des abseitigen Musikwissens öffentlich poliert. Aber das ist auch der Grund, warum ich jede Woche wieder einschalte und mit Vergnügen die Plattenkritiken lese. Doch diesmal haben wir es mit einem echten Höhepunkt zu tun:

Bärte sind der Hit. Solange Sie Bartträger sind, wird sich keine Frau mehr bei Ihnen melden und kein flüchtiger Bekannter hält sie auf der Straße mit Belanglosigkeiten auf. Deshalb unser Tipp an die männlichen Leser: Legen sie die neue und sehr gute Tom-Petty-Platte auf und lassen sie sich dabei einen Bart wachsen – man wird sie dann gleich doppelt ächten.

Schade, dass ich meine Bartphase schon wieder hinter mir habe.

Erst Gema-Gebühr zahlen

Juli 24, 2006

Wir machen es kurz:

Im Lizenzshop der GEMA finden sich Lizenzierungsmöglichkeiten für Podcaster, die keine kommerziellen Absichten verfolgen. Dazu dürfen die Podcasts nicht länger als 30 Minuten sein, 75% Wortanteil enthalten, die Titel dürfen nicht komplett ausgespielt werden, da die GEMA befürchtet, man könne sich aus den Podcasts die Musiktitel herausschneiden – nach der Hälfte der Zeit ist Schluss plus natürlich, dass Intro und/oder Outro moderiert sein müssen.

heißt es im Telepolis-Artikel von Christina Spieß zum Thema.

Also etwas geht schon. Nur einiges eben nicht, wie etwa die Nennung der Künstlernamen in den ID3-Tags. Eben: Pods zieht man nicht, um Musik und damit einzelne Künstler, sondern um das Geratsche des Podcasters zu hören. Und das ist oft besser als man denkt.

Informationen der Gema erhält man – bei der Gema. Und Lizenzen auch – im Gema-Lizenzshop. Hey!

Vernetztes Denken

Juli 23, 2006

Beim Blick in die aktuelle Ausgabe von Berlin für Kinder gibt es auch ein Kapitel über das Internet: Sicher unterwegs auf der Datenautobahn. Dort heisst es aus dem wohlfeilen Munde eines Professor Doktor Stefan Aufenanger – und jetzt aufgepasst!

Wenn Kinder schon recht früh anfangen, sich mit dem Internet zu beschäftigen, dann lernen sie dabei, vernetzt zu denken.

Vielen Dank für diese ultimative Aussage.

Was will uns der Herr Professor Doktor damit sagen? Weiß er, was vernetztes Denken ist? Meint er, weil der Begriff Netz im Wort Internet vorkommt, dass man durch die Nutzung des Internet vernetzt denkt? Welche besonderen Voraussetzungen bietet das Internet, um vernetztes Denken zu lernen, was nicht auch schon jedes Buch oder jede Zeitschrift hätte, die sich immer auch auf anderes, außer ihnen stehendes beziehen? Sind etwa Hyperlinks die Grundlage vernetzten Denkens oder Sinnbild für vernetztes Denken?

Muss es übrigens früh sein? Oder reicht es auch, wenn man erst später mit dem Internet anfängt, um noch – vermeintlich – vernetztes Denken damit zu lernen? Vielleicht muss man ja auch früh morgens ins Internet gehen?

Was soll der Quatsch Herr Professor Doktor für Erziehungswissenschaften und Medienpädagogik? Bezahlen wir Steuerzahler Sie dafür, solchen haltlosen Mumpitz in die Welt zu setzen?

Vernetztes Denken ist ein Begriff, den Frederic Vester stark machte, wobei er ihn nicht konsistent anwendet und wohl nie richtig definierte (Günther Ossimitz). Worum geht’s dabei: Er stellt eine systemische Betrachtungsweise einer monokausalen Gegenüber. Dietrich Dörner meint in seinem Buch Die Logik des Misslingens zum Begriff:

Ich hoffe hinlänglich klargemacht zu haben, dass man das, was oftmals pauschal „vernetztes Denken“ oder „systemisches Denken“ genannt wird, nicht als eine Einheit, als eine bestimmte, isolierte Fähigkeit betrachten kann. Es ist ein Bündel von Fähigkeiten, und im wesentlichen ist es die Fähigkeit, sein ganz normales Denken, seinen „gesunden Menschenverstand“ auf die Umstände der jeweiligen Situation einzustellen

Zitat gefunden bei doebe.li. Und das soll also durch die frühe Nutzung des Internet gelernt werden. Ähem. Kinder, geht lieber Ball spielen und offenen Auges durch die Welt.

Aber halt. Da wir verschiedentlich schon mit Journalisten zu tun hatten und manch Übles auch von anderen zu dieser Spezies hörten: War das wieder ein inkompetenter Journalist, der kürzte und schluderte, der einfach sich etwas unverstandenes zusammenreimte? Wir können’s nicht ausschließen.