The Who live in Berlin

hu—hu—hu—hu—hu—Hu—Hu—Who raunt es durch die dunkle Halle. Dann geht das Licht an und die Band betritt die Bühne. Schlacksig und groß, in weißem Hemd erscheint Pete Townshend. Es folgt Roger Daltrey, kleiner, stämmiger mit seiner rosa getönten Brille, doch auch in hellen Hemd. Das Publikum brandet laut auf. Dann wird es ruhiger. Auf der Bühne sortieren sich die Herren. Man hat Zeit, da oben auf der Bühne. Als alles seine Ordnung hat und Herr Townshend sich die Gitarre doch noch hat umwerfen lassen, hebt ein spielfreudiges, lässiges Meisterkonzert an.

Leider befinden wir uns in der Treptow Arena, in einer leidlich gekühlten Halle, die nicht drängend voll ist, aber voll. Eigentlich sollte das Konzert auf der Freilichtbühne Wuhlheide stattfinden. Doch scheint es mit dem Kartenverkauf nicht recht geklappt zu haben. Die alten Herren aus West-London waren lange nicht mehr in Berlin, »about thirdy years« und »the city has changed«. Allerdings.


The Who mischen die Arena auf

Die Wahl der Arena war zwiespältig: »this hall is shit! But it’s our shithall.« Das bisschen Publikum: weitestgehend rekrutiert aus der T-Shirt-Generation über 40, das Durchschnittsalter lag sicher über 35, doch neben vielen älteren Damen und Herren hoch in den Fünfzigern, sah man aber auch Papas mit ihren punkigen Töchtern, und mittige Jungspunde mit smarten Umhängetäschchen (wichtig ist das Hochformat der Tasche!). Wir waren aber doch zu wenig, um in der Wuhlheide eine angenehme Konzertatmosphäre zu schaffe. Also die Arena.


Die Treptow Arena erstrahlt in neuem Glanz. Das Auditorium auch.

Für die Arena war es die genau richtige Menge; und die Stimmung war demgemäß schnell brodelnd. The Who spielten auf und zeigten ihre herausragenden Qualitäten.

Mit den ersten Takten schwingt Roger Daltrey in gekonnter Manier sein Mikrophon und Pete Townshends Arm kreist und kreist und kreist und schlägt damit von unten nach oben bissige Akkorde. Die Menge zieht mit und jubelt. Die Lichtanlage befeuert das hitzige Treiben.

Die Herren auf der Bühne zeigten, wie man souverän als Rockstar altert. Ja, das schwingende Mikrophon, bisschen kindisch. Roger Daltrey liess sich später nochmals dazu hinreissen. Doch davon abgesehen: Keine Attitüde, sondern diskrete Handarbeit, ohne jede Show, nur unterstützt von sehr gut eingesetztem Licht. Und Pete Townshends rotierender Arm? Der muss so! Wie anders bringt er sonst die Töne aus seiner Stratocaster?


Herr Daltrey und Herr Townshend beglücken ihr Publikum

Pete Townshend: beschwerte sich nicht nur über die Scheißhalle, sondern auch über die verfluchte Hitze (»it’s fucking hot in here«), denn man stand etwas höher als das hörige Auditorium. Und er spielte diverse, weitschweifige, aber diskrete Soli. Nach der kurzen Pause, die dann in die Zugaben mündete, gab er eine kleine Bob Dylan-Hommage mit ein paar Takten aus Blowing in the Wind, bei ausreichend näselnder Stimme. Dann ging es sturmreif ins Finale.


Herr Townshend bei der Arbeit

Es war ein Jubiläumskonzert: 1966 hatten The Who erstmals in Berlin gespielt. Da war ich gerade zwei Jahre alt. Das letzte Berlin-Konzert lag auch um die 30 Jahre zurück. Es wird nicht das letzte Konzert in Berlin, denn die Tour geht einmal um den Globus, über den Pazifikraum, und kehrt dann auch nach Deutschland zurück – im kommenden Jahr.

Und es war ein richtig gutes Konzert. The Who brachten die gesamte Halle zum Toben, was bei der Altersstruktur kein Leichtes ist. Spätestens, nachdem nach ca. einer Stunde, die Triade My Generation, Won’t Get Fooled Again und Substitute durchgezogen wurde, war das Publikum nicht mehr zu halten. Hier wurden Altgeglaubte wieder jung und Junge erwachsen.

Beim nächsten Mal sehen wir uns wieder.

Und für die, die im Süden leben: am 23.07.2006 spielen The Who in Ulm.

4 Antworten to “The Who live in Berlin”

  1. Gene October Says:

    Grossartig war es

  2. dany Says:

    Allerdings. Und da werde ich im Mai kommenden Jahres wieder sein. Hoffentlich nicht in der Halle, die die beiden in der Pressekonferenz nochmals beschimpft haben. Es war der belste Ord, in dem die je gespielt hätten.

  3. Markus Says:

    Zum Glück durfte ich The Who dann noch am 17. in Locarno erleben. Davor ein heftiges Gewitter mit Wolkenbruch, welcher nicht zu Enden schien. Aber The Who haben selbst den Regen weggeblasen.

    Boah! Ich hätte es kaum für möglich gehalten, dass eine Band in dem Alter und mit der Vergangenheit nochmals so aufblühen kann. Nicht umsonst galten sie schon in den siebziger Jahren als absolut beste Live-Band. Ein riesiges Kompliment auch dem Jungen Starkey. Zakk war auf Zack und steht dem ursprünglichen Schlagzeuger Keith Moon bestimmt nichts nach (er hat auch bei ihm das Metier gelernt). Wenn die Stimmen noch einigermassen durchhalten ist das nächste Konzert wieder ein absolutes MUSS! Auf keinen Fall verpassen – sie sind für mich immer noch die Referenz in Sachen Rock!

  4. dany Says:

    Und wenn man sich die Pressekonferenz anschaut wird deutlich, die werden mit jedem Konzert besser. Wenn The Who dann kommendes Jahr wieder hier vorbeischaut, sind die so eingespielt, dass es ein einziger Rausch werden wird.

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