Tagging vs. Suche

Schaut man sich das eigene Weblog an, stellt sich die Frage:

Wassoll’as?

Viele Blogger sind – ursprünglich – angetreten, tatsächlich ein Journal zu betreiben, in dem sie Notizen unterbringen. Angelegt, sie wiederzufinden. – So war es jedenfalls bei mir beim Domainblog. Die Arbeitstechnik war und ist nach wie vor: Schlendern durchs »Internetzel«, in einen Informationshaufen treten, auf dem Blog den Schuh abstreifen und säubern.

Die Wiederauffindbarkeit im Journal ist durch die Suchfunktion weitestgehend gesichert. Woran es aber hapert, ist das Wiederfinden vergleichbarer Einträge. – Moment! Ja, da gibt es die Kategorien. Schon klar. Aber: reichen die im Sinne von Kategorien aus? Oder soll man taggen? Und was bedeutet das für das Weblog.

OK, bevor wir weitermachen: Was ist Tagging?

Das sagen Euch zum Beispiel die _Notizen aus der Provinz:

Im Prinzip nichts anderes als die Vergabe von Stichworten für die Kategorisierung von „Zeugs“.

Aber die Kategorien haben wir ja bereits im Weblog. Kategorien sind recht grob, da sie umfassende Beschreibungen sind, unter die viel passt. Unter »Getting Things Done« stehen hier Artikel über Software und Notizbücher, Stifte und anderem Handwerkszeug zur Bewältigung des alltäglichen bis gänzlichen Lebens. Sucht man da etwas bestimmtes, hilft alleine die Suche. Dann findet man mit gut Glück das Gesuchte, verpasst aber das anders relevante. Mit der Kategorieanzeige findet man zwar auch etwas, aber auch vieles, was man gar nicht gesucht hat. Tagging könnte da etwas verändern.

Indem man nämlich jede Mengen »Kleinstkategorien« schafft und so die Blogeinträge tagged. Das gibt eine ganze Latte von Kategorien und kann wiederum recht unübersichtlich werden. Das zeigte sich in einer Datenbank, die sich mit einem Thema beschäftigte und die zahlreiche Unterthemen mit sich brachte. Dabei war immer zu entscheiden, wie man dieses Unterthema benennt, um es zugleich so allgemein zu bezeichnen, dass auch neue, vergleichbare Einträge da mit untergebracht werden können. Auf Dauer kann das sehr unübersichtlich werden.

Interessant sind da die Ausführungen von Frank Bicking in einem Threat auf audiohq.de. Das Tagging verursacht auch eine Menge Daten:

Informationen redundant zu speichern, bedeutet, sie mehrfach abzulegen, obwohl dies eigentlich nicht nötig wäre. Beim Taggen von Audiodateien machen wir das sehr häufig. Wir schreiben beispielsweise das Erscheinungsjahr eines Albums in jeden einzelnen Track, obwohl man es eigentlich nur einmal zentral festhalten müsste. Oder vielleicht ordnen wir einen Interpreten mit jedem einzelnen Track erneut dem immer gleichen Genre zu.

[…]

Aus der redundanten Speicherung können sich inkonsistente Daten ergeben. Das bedeutet, dass Informationen, die eigentlich überall identisch sein sollten, nicht mehr übereinstimmen, sondern sich widersprechen.

[…]

Keine mir bekannte Tagging-Software achtet darauf, der Benutzer muss die Konsistenz der Daten selbst sicherstellen

Das heisst: Tagging ist Arbeit und kostet Zeit. Jedenfalls bei der Eingabe der Daten. Tagging spart Zeit bei der Suche.

Doch bietet das Tagging auch erhebliche Probleme mit sich: Es vereinfacht Inhalte! Schön beschreibt das der Don:

Problem 1 war die Verschlagwortung. Gute Bücher und Texte haben sehr viel Inhalt, Abschweifungen und Nebenstränge, die in der Regel nicht verschlagwortet wurden. Mitunter war das aber sehr gutes Wissen, das so durch den Rost fiel. Und das Aktuellste war oft noch nicht ausreiched verschlagwortet, oder ging in der riesigen Menge an anderer Bücher unter, die dann einen fetten Klotz meist veralteter, sehr allgemein gehaltener Literatur ergab.

[…]

Blogger haben schon bei der Schreibweise von Tags ihre Probleme: Tag? Tags? Tag Cloud? Tag Clouds? Schlagartig zerfetzt es den Begriff in vier einzelne Brocken in der Tag Cloud, unterschiedlich gross und mitunter entnervend, wenn man alles absuchen muss. Oder einen Klumpen übersieht.

Tagging verlangt vom Nutzer Disziplin. Das zeigt sich auch bei The Guardian.

The Guardian seinerseits nutzt Tags, um auf einem Begrifftableau darzustellen, welche Themen zur Zeit die Blogs der Zeitung beherrschen. Dort nennt man das The Folkdonomic Zeitgeist. The Guardian ist dabei nicht frei davon, Fehler mit einzuarbeiten, indem die Tags, die die Journalisten setzen mit den tatsächlich benutzten Begriffen nicht übereinstimmen oder Vertipper vorliegen und das angeklickte Tag zu keinem Suchergebnis, sondern zu einer Gegenfrage der Suchmaschine führt. Professionelle Nutzung von Tags scheint mir etwas anderes zu sein.

Alles in Allem läuft es darauf hinaus: Tagging ist nicht einfach so. Es erfordert Vorüberlegungen: was wie benannt wird. Der Kopf muss also schon vorher eingeschaltet werden. Man muss sich auf verbindliche Begriffe festlegen – bevor man sie anwendet! Darüber hinaus verlangt die Anwendung konsequentes und konsistentes Tagging, um die Daten auch wieder zu finden. Jeder Eintrag muss korrekt getagged werden. Jedesmal.

Na, dann viel Spaß bei der Übung. – Ich bleibe, glaube ich, erst einmal bei meinen sehr groben Kategorien – und der Suchfunktion.

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