Mach den Yojimbo-Test

Irgendwann packt einen doch die Neugierde. Was Neues braucht der Datennerd. Also hab ich noch mal die mir bekannten drei Rezensionen zu Yojimbo angeschaut. Ich hab mir die Seite von BareBones reingezogen, und das dazu gehörige Video. Schließlich habe ich mir die Software heruntergeladen (ohne irgendwelche Angaben zu machen) und angeschaut.

Alle Rezensionen sprechen von den Vorteilen der Reduktion, die Yojimbo – im Vergleich zu anderer Software – bietet (Kirk McElhearn:)

Yojimbo may not do as much as some of its competitors, but at times, simplicity is more powerful than a wider range of features.

Was niemand anspricht ist, dass man andere Applikationen ja auch reduziert einsetzen kann. Wer zwingt den Nutzer denn, verschachtelte Ordner in seinem Organizer und/oder Outliner zu nutzen? Schön, wenn man die Möglichkeit hat. Ich brauche sie schon sehr, obwohl ich gerne die Suche nutze. Yojimbo bietet das nicht.

Alsdann verlangen die Leser der Rezensionen gerne den Vergleich. Eine der ersten Rezensionen macht genau das und vergleicht Yojimbo mit Sticky Brain. Ein Mitarbeiter von it-enquirer.com ist alter Sticky Brain Nutzer und kommt in seiner Rezension zu dem salomonischen Ergebnis:

For now, my advice is: download the demo version of Yojimbo first. If you like it, buy it and forget about StickyBrain. If you have doubts, try the StickyBrain license.

Den wirklichen Vorteil zu Sticky Brain (das ich nur rudimentär vor einigen Monaten angetestet habe und also nicht kenne) findet man nicht.

Leser des längeren Artikels auf ATPM wollen Vergleiche mit aller vorhandener Outlining und Organizing Software (Notetaker, CP-Notebook, DEVONthink, Omnioutliner, Mori, MacJournal, Curio und sogar dem Finder.). Nur eine Software wird nicht genannt: Journler, die einizige kostenlose Applikation unter den genannten. Bei all diesen Anfragen ist auch eines klar: Yojimbi will weniger, die andern können weniger, so es der Nutzer will (er kann aber auch, nach einiger Zeit der reduzierten Nutzung, weitere Features seiner Software einsetzen – mit Yojimbo wäre ihm das verwehrt: da gibt es einfach nichts). Deshalb sind sie freilich nicht wirklich vergleichbar.

Yojimbo will alleine Daten sammeln. Ordentlich verarbeitet werden sollen die Daten nicht. Man soll sie lediglich problemlos wiederfinden. Das geht, eine gehörige Menge Daten vorausgesetzt, am besten über die Suchfunktion. Eine Suchfunktion, mit der alle anderen genannten Programme ebenfalls in der oder ähnlicher Form aufwarten.

BareBones bietet zur Einführung von Yojiimbo ein Video, welches die Kernfunktionen in nuce nahe bringt. Darin wird deutlich, dass Yojimbo keinerlei Vorteile bietet. Eher sogar Nachteile. So wird die Funktion Save as .pdf als eine Möglichkeit, Webarchive zu bilden, angepriesen. Will ich die Funktion im Standardinternetseitenbetrachter nutzen, bieten sich neben Yojimbo auch DEVONthink und Journler an, die beide wie Yojimbo die Sache souverain meistern. Doch DEVONthink bietet mehr: man kann die Webinhalte als »lebendiges« Archiv herunterladen und im Software eigenen Browser öffnen: die »Reduktion« auf .pdf ist nicht zwingend. Für DEVONthink Pro habe ich bereits bezahlt, für Journler muss ich nicht bezahlen (darf aber eine Donation geben). Yojimbo würde mich weitere US$ 39,– kosten.


Yojimbo in vollem Ornat

Weiter zeigt der Film, wie man eine Notiz generiert und eine ToDo-Liste für den Tag macht. Yojimbo nutzt eine einfache Text-Edit basierte Schreibeinheit, die keine Listen aufweist, die Einträge werden als plain text einfach unter einander geschrieben. Das können die andern aber auch. MacJournal kann Checkbox-Listen innerhalb der Notiz generieren, einige Konkurrenten können Checkboxen für die einzelnen Einträge generieren. Yojimbo kann keines von beiden. Freilich: man kann Labeln und Flagge zeigen, aber man kann keine Checkbox eintragen und abhaken.

Yojimbo bietet problemlos Extraansichten, reduziert auf die Information. Der Import von Daten erfolgt vielfältig, u. a. über ein Dock, das am rechten Rand des Bildschirms angebracht ist. Aber der Umgang mit Bildern irritiert, denn er weicht von der einfachen Handhabung ab: Bilder lassen sich nicht einfach über das Yojimbo-Dock, das Dock-Icon oder per copy und F8 verstauen. Man muss eine Notiz erstellen und kann da das Bild hineinlegen (was dann wieder per drag and drop machbar ist).

Die BarBones Applikation weist auch Smartfolder auf, doch lassen die sich nicht individuell erstellen. Es gibt lediglich eine vorgefertigte Sammlung, etwa für Verschlüsselte Daten, für Bookmarks, für kürzlich erstellte Daten, die man benutzen kann; eigene Smartfolder erstellen kann man nicht. Ebenfalls ein Manko ist die nicht eingebundene Rechtschreibkontrolle.

Der Hype, der um diese – teure – Software betrieben wird, ist nicht nachvollziehbar und – aus meiner Sicht – durch nichts gerechtfertigt. Es ist eine schlanke, schnelle Software, die alleine Daten sammelt, einen diese aber nicht einmal organisieren lässt. – Gut, das mag der falsche Gedanke eines älteren Herrn sein, der versucht, Ordnung herzustellen und darum unordentliche Systeme nicht verstehen will; der aber zugleich schon jetzt begriffen hat, dass alte Ordnungssysteme durch neue Suchsysteme ersetzt werden. Yojimbo ist ein solches neues System. Es vermag jedoch nicht zu überzeugen. Die Entwicklung wird meines Erachtens auch nicht zu einem radikalen Wechsel führen. Beide Systeme werden verschmelzen und so optimierte Datenverwaltung ermöglichen.

Ach ja, und eines sollte klar sein: Mit Yojimbo ist GTD nur bedingt machbar. Für GTD ist es aber auch gar nicht gedacht.

Yojimbo
(Version 1.2 [24], Universal Binary)
BareBones
US$ 39,–

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5 Antworten to “Mach den Yojimbo-Test”

  1. Daten erfassen « Die Kritiker Says:

    […] Yojimbo Die »überbewertete und teure« Software aus dem Hause Barbones lässt mir keine Ruhe: Sie hat was. Drum dokumentiere ich hier diesen Test. […]

  2. Yojimbo noch mal « Die Kritiker Says:

    […] Die Software ist also doch nicht so überflüssig, wie ich zunächst meinte. Doch bleibt der nicht unerhebliche Preis für dieses geschmeidige Werkzeug. […]

  3. Halt es zusammen – nimm K.I.T « Die Kritiker Says:

    […] Yojimbo, Yojimbo. Ach was, versuchs mal mit K.I.T. […]

  4. Also doch: Yojimbo « Die Kritiker Says:

    […] wurde Yojimbo von BareBones auf 1.5 gebracht. Ein oft – zu Recht – auch von mir bemäkelter Umgang mit Bildern ist nun obsolet: Bilder lassen sich jetzt per Drag and Drop direkt […]

  5. Zip Says:

    Wirrer Artikel.

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