iRead iWoz

Samstag wusste ich nicht zu widerstehen. Montag war es schon ausgelesen:

Steve Wozniak
iWoz

wie ich den Personal Computer erfand
und Apple mitgründete.

München 2007 (!)
Hansa

Der erste Eindruck: lesenswert. Obwohl Woz schon ganz schön die Rosa-Brille aufgezogen hat. Er ist der Gutmensch schlechthin. (Herrje, wie kommt er nur darauf?) Dabei überschreitet er mit seinen Scherzen gerne die Grenzen der Moral und Angemessenheit. Ich fand diese Passagen nicht lustig, sondern peinlich für Woz. Aber so handeln Nerds wohl.

Und ja, Steve Jobs kommt – vermeintlich – schlecht dabei weg. Aber nur, weil Woz auch zwei Geschichten bringt, in denen Steve sich nicht gerade smart und freundschaftlich verhält. Wir haben grundsätzlich leider ein etwas falsches Bild von Steve Jobs (obwohl wir insgeheim ja zu recht vermuten, dass er einfach nicht nur das Gute an sich sein kann, sondern auch Ecken und Kanten hat – und das meint nicht nur das RDF=reality distorsion field). Außerdem vergisst man über diese zwei Unbotmäßigkeiten von Steve Jobs all die guten Erwähnungen, die Woz ihm angedeihen lässt. Im Hinblick darauf kann man einerseits verstehen, das Jobs kein Vorwort für das Buch schreiben wollte; andererseits lag er damit falsch, denn eigentlich zeigt Woz, was für ein prima Kerl Jobs ist.

Das Buch ist spannende Lektüre. Woz weiss seine Leser mit seiner Begeisterung für Computer und deren Konstruktion zu fesseln. Nur einmal geht er für den Normalnutzer über das Ziel hinaus, das weiss er aber selbst und entschuldigt sich für seine technischen Ausführungen zur Konstruktion des ersten Apple-Floppydiskdrives.

Dass Woz besser unter Maschinen und Technikern untergebracht ist, als unter Frauen, merkt er nicht so recht. Aber dafür scheint er auch nicht geschaffen worden zu sein. Wer so vernarrt in Technik ist und Tag und Nacht nur an Schaltkreise und andere Hardware und ein wenig Software denkt, findet nunmal nicht den Dreh, Frauen glücklich zu machen. So habe ich das letztlich verstanden. Aber wer von uns schafft es schon, auf Dauer einen anderen Menschen glücklich zu machen. Und ist das überhaupt unser Aufgabe im Leben? Muss nicht jeder … genug.

Ich habs gerne gelesen, und glücklicherweise auf deutsch. Und das, obwohl die deutsche Übersetzung ziemlich holpert und zu heiss genadelt ist. Der Stil von Woz wird da stellenweise unterminiert. Doch auf Englisch hätte ich es sicher nicht so gut verstanden.

Die Ausstattung ist zufriedenstellend. Der Einband für Techniker mit einer robusten Beschichtung versehen. Ein rotes Lesebändchen ist auch vorhanden. Die Bilder sind einfach von schlechter Qualität. Dass Woz sowas bei Wikipedia herunterladen lässt und man endverstrahlte schwarzweiss Pixeleien der verschiedenen Rechner vorgesetzt bekommt ist eine Zumutung. Das geht alles besser – zum gleichen Preis.

Gleichwohl also: empfehlenswert. Es ist die Geschichte eines Genies! Und wir können durchaus froh sein, dass wir keine sind.

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Eine Antwort to “iRead iWoz”

  1. Lapidarium42 » Genies Says:

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