Henscheid aktuell

Eckhard Henscheid las gestern Abend in der Bar jeder Vernunft aus seinen Werken.

Mir scheint, die Jugend kennt ihn nimmer mehr, und das, wo sein gestriges Publikum, das nur sparsam angetreten war, sich bereits als deutlich jünger als der Dichter selbst erwies. 65 Jahre alt ist der Meister – und er liest besser denn je, wenn er auch Ende und Kommentar seiner Poeme ineinander fließen lässt und man beides nicht recht zu unterscheiden sich in der Lage findet. So ein Päuschen dazwischen vergütete den Vortrag.

Die erste kurze Hälfte seiner Lesung widmete er seiner Lyrik, deren glanzvollstes Stück gestern sicherlich die Hymne an jenen klangvollen Fußballer aus Korea, Bum-kun Cha, gerichtet war. Aber auch darüber hinaus wusste der Dichter zu dichten und mit seinen und Gernhardtschen Versen zu amüsieren.

Im zweiten Teil der Lesung legte Henscheid den Schwerpunkt auf »Die Wurstzurückgelasserin«, die er zunächst leicht hüstelnd-stockend doch noch fulminant vorzutragen wusste – wie anders auch gar nicht zu erwarten. Neben zahlreicher Kurzprosa zitierte er auch hier, am Ende, nochmals Robert Gernhardt und erinnerte mehrmals an dessen morgen zu begehenden Geburtstag. Und da der Dichter sein Publikum so sehr bat, Gernhardt Gedichte zu memorieren, um sie aus dem Gedächtnis aufsagen zu können:

Am 13. Dezember ist Gernhardts Geburtstag. Bis dahin bitte noch einen Vierzeiler auswendig lernen und dem zufälligen Publikum unerwartet zu Gehör bringen.

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