Schreibwerkzeug Scrivener

Man könnte auch GTD mit Scrivener machen, aber eigentlich ist es ein Autorenwerkzeug – und da sicher eines der Besten.

Erstmals begegnete ich Scrivener in der November-Ausgabe von ATPO, der Pflichtlektüre schlechthin zum Thema Outliner und angrenzender Software. In der November-Ausgabe stellte Ted Goranson die Frage nach der Ausstattung der gewünschten Software und welche Software zumindest teilweise die Kriterien erfüllt. Die Leser waren aufgerufen, ihre Meinung Kund zu tun. Scrivener ist dort seitens Goranson gelistet, aber dazu sagen mochte wohl niemand. Software im Beta-Stadium taugt dazu nicht immer. Ich schaute freilich auf der Seite von literature and latte, sah das Korkbrett

und machte mich ob dieser ästhetischen Entgleisung schnell wieder vom Acker.

Später begegnete ich der Software wieder beim Macoholic. Nun schaute ich mir die Sache, die ich schon wieder vergessen hatte, noch einmal an, lud sie runter und bin begeistert.

Bei Scrivener handelt es sich derzeit um eine zeitbegrenzt nutzbare Beta (1.0RC b5), sowie einer unbegrenzten Freeware-Version, »Scrivener Gold (0.2b)«, die aber nicht supportet wird. Beiden liegt ein lesenswertes Tutorial bei. In Ausstattung und Funktion unterscheiden sich beide. Ich beziehe mich hier hauptsächlich auf die kommerziell ausgerichtete Version. Die Goldversion ist der Torso des ersten Versuchs von Autor Keith Blount. Irgendwann hat ihm das nicht mehr gefallen. Er überlegte sich, was er eigentlich für ein Schreibwerkzeug haben wolle, und begann von vorne.

Ergebnis ist die derzeitige Beta von Scrivener.

Und an der ist kaum etwas auszusetzen – wobei ich nicht sehr tief eingestiegen bin. Ich habe das Tutorial durchgearbeitet und darüber hinaus ein wenig damit gespielt. Und ich halte die Applikation für sehr gut.

Was bietet Scrivener? Die mir wichtigen Funktionen sind:

Die Bildschirmteilung. Das bietet für gewöhnlich niemand; die Arbeitsfläche lässt sich alternativ horizontal oder vertikal teilen. Man kann innerhalb eines Eintrages, aber auch mit zwei Einträgen oder dem Korkbrett arbeiten, auf dem man für jeden Eintrag eine Synopsis eintragen kann. Die Konkurrenz bietet, wenn überhaupt, einen alternatives Fenster, welches man dann justieren muss. Splitscreen ist es! Hinzu kommt hier eine wunderbare Funktion mit Texten zu spielen, sie zu markieren, auszuschneiden und neu zusammenzusetzen.

Reine Geschmacksache ist der Inspektor: er steht fest an der Seite des Programmes und schwirrt nicht als schwebende Palette über dem Schreibtisch. Paletten? Dreck!

Die Ausstattung des Inspektors ist nicht so umfangreich, aber er weist einiges auf, was ihn sehr brauchbar macht. Über ihn hat man die Synopsis im Blick, man kann den Eintrag darüber Labeln, Keywords und Notizen eintragen und dezidiert regeln – und das ist ein anderes sehr schönes Feature –, ob der Eintrag für den Export bestimmt ist oder nicht. Denn wir haben es mit einem einfachen Arbeitsgerät zu tun, dessen Ergebnis zum Schluss weiterverarbeitet wird. So lassen sich in Scrivener keine wirklichen Fußnoten angeben, doch Daten herstellen, die später als Fußnoten verarbeitet werden können.

Weiter haben wir den Fullscreenmodus, wie ihn immer mehr Programme dieser Art bieten, aber bei weitem noch nicht alle. Keith Blount verweist in seinem Tutorial oft und gerne auf Ulysses und die Ideen, die vielfach erstmals dort die Macwelt erblickten. Er hat sich daran orientiert und für meinen Geschmack teilweise bessere Lösungen geschaffen. Wobei ich dazu sagen muss, dass ich schon länger keinen Blick mehr auf Ulysses geworfen habe.

Leider gibt es noch keine Smartordner und keine Funktion für eine Terminbestimmung. Doch über die Outlinerfunktion und die da enthaltenen Kolumnen erhält man einen brauchbaren Überblick über den Zeitpunkt der Entstehung und Modifizierung eines Eintrags, der Anzahl der Zeichen und Worte und anderer Daten. Und ein Detail nervt ein wenig (ich habe nicht erkennen können, wo ich das abstelle, aber abzustellen müsste es eigentlich sein): die automatische Großschreibung. Nach jedem Punkt schreibt Scrivener groß, auch bei Abkürzungen wie »u. A.«. Das geht doch nicht.

Alles in Allem ein schönes Werkzeug, das sich noch weiter entwickeln wird, aber jedem kreativen Schreiber schon jetzt zum Testen empfohlen werden kann.

Scivener gibt es hier; ist das dortige Objekt schon wegen Zeitablaufs verglüht, einfach im BetaOrdner des Forums nachschauen. Dann findet sich sicher irgendwo der Eintrag mit der Beta6 zum Herunterladen.

ScrivenerGold findet man dort.

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3 Antworten to “Schreibwerkzeug Scrivener”

  1. Schreibtools und mehr « A writer’s mind Says:

    […] Freund machte mich vor geraumer Zeit mit Scrivener bekannt. Und wie Die Kritiker schaute ich mir das Teil an und fand die altbackene Kork-Pinnwand-Optik etwas zu gezwungen, und ich […]

  2. mdt Says:

    Arbeite jetzt seit geraumer Zeit mit Scrivener. Die Korkwand ist sicher gewöhnungsbedürftig jedoch wie oben schon beschrieben bietet dieses Programm eine Vielzahl an Formatierungsmöglichkeiten sowie eine Übersichtlichkeit die ich sie bei anderen Programmen so noch nicht gefunden habe. Es stimmt natürlich dass wenn jemand Drehbücher schreibt es dafür bessere Tools gibt, jedoch um einen Überblick über Notizen, Texte, Suchbegriffe ect zu haben ist es sehr sehr gut.

  3. Ishtars Blog » Eine Geek-Spielwiese » Schreibtools und mehr Says:

    […] Freund machte mich vor geraumer Zeit mit Scrivener bekannt. Und wie Die Kritiker schaute ich mir das Teil an und fand die altbackene Kork-Pinnwand-Optik etwas zu gezwungen, und ich […]

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