Marshall McLuhan

Eine der schönen Dinge, die Weihnachten einem beschert (ja, Weihnachten, auch wenn wir jetzt Februar haben), sind die Geschenke, die man sich selbst macht, während man auf der Suche nach Geschenken für andere ist.

Ich stieß auf

Marshall McLuhan
Das Medium ist die Botschaft
»The Medium is the Message«

und kaufte es nach einem kurz blätternden Blick, weil ich Sprüche erhaschte wie

Marx‘ Feststellung hätte sein müssen: »Wenn man die Welt ändern will, muß man sie verstehen.«

und

Viele Leute wären lieber Schurken als Schwachköpfe.

Solche Sprüche und gewiefte Betrachtungen und Beobachtungen kommen da Schlag auf Schlag aus McLuhans Munde – denn es handelt sich um eine Reihe von Interviews, die in dem schönen kleinen Bändchen mit Fadenheftung und Lesebändchen versammelt sind. Aber, was mich dann letztendlich vollends überzeugte, bei der Lektüre (Quatsch, ich war von der ersten Seite an begeistert), war die Vorwegnahme des Internet in Form der Blogosphäre. Eine Textpassage, die sich freilich nur so darstellt, weil man aus einem anderen Blickwinkel schaut (Seite 226f, aus dem Playboy-Interview von 1969 mit Eric Norden):

In unserer Software-Welt unmittelbarer elektronischer Kommunikationsübertragung verändert sich die Politik vom alten Modell der politischen Repräsentation durch gewählte Abgeordnete hin zu einer in allen Bereichen der Entscheidungsfindung entstehenden neuen Form von spontaner und sofortiger gemeinschaftlicher Beteiligung. In einer Stammeskultur, in der alles auf einmal geschieht, wird die Vorstellung von »Öffentlichkeit« als einer differenzierten Ansammlung von fragmentierten Individuen, die zwar alle verschieden sind, aber doch nur wie austauschbare mechanische Rädchen in der Fließbandproduktion grundsätzlich gleich funktionieren können, von einer Massengesellschaft abgelöst, in der persönliche Vielfalt gefördert wird, während zur selben Zeit alle gleichzeitig auf jeden Reiz reagieren und sich so gegenseitig beeinflussen. Wahlen wie wir sie heute kennen, werden in dieser Gesellschaft keine Bedeutung mehr haben.

Den letzten Satz schieben wir noch ein wenig in die Zukunft, bitte. Ach ja, und das mit den Politikern dauert auch noch ein Weilchen, aber das kommt. Nehmt euch in Acht.

McLuhans Betrachtung der Welt war und ist nach wie vor in vielen Punkten stichhaltig, modern und aktuell: Klar lassen sich über Medien jede Menge Inhalte vermitteln (wenn es sich nicht gerade um die Klowände des Internet handelt – sind ja jetzt auch schon über ein Jahr alt), aber die eigentliche Veränderung kommt durch das Medium selbst, und nicht durch die Inhalte. Der Umgang mit Welt änderte sich beispielsweise durch die Schriftsprache (im Gegensatz zur Bildsprache) und später den Buchdruck, den McLuhan als den Beginn der Industrialisierung wahrnimmt. Und die Entwicklung des Internet bringt auch massive Veränderungen für die Menschheit beim Umgang mit Welt.

Aus gegebenem Anlass (was ich auf YouTube fand):

Marshall McLuhan
Das Medium ist die Botschaft
»The Medieum is the Message«

Dresden 2001
Philo Fine Arts
Verlag der Kunst
302 Seiten, € 16,–

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2 Antworten to “Marshall McLuhan”

  1. Markus Says:

    Will ja nicht klugscheißen, aber der Titel des Buches ist doch tatsächlich „The medium is the mAssage“ … das war ein Druckfehler, der erst später aufgefallen ist. McLuhan fand es aber passend …

    btw ein toller Medientheoretiker …

  2. dany Says:

    Klugscheißen ist hier gern gesehen. – Danke Markus.

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