Monocle

Ich lese da immer erst Mon Oncle und denke an Jaques Tati, aber tatsächlich heisst die neue Monatszeitschrift des Wallpaper Machers Tyler BrûléMonocle. Ob man da nur eine einseitige Sicht auf die Welt erhält, vermag ich nicht zu beurteilen.

Die englischsprachige Zeitschrift, deren erste Ausgabe vor einer Woche herauskam, ist 242 Seiten stark (zuzüglich eines Hefts im Hefte) und hat ein handliches Format, ist ein Zwischengrößen Zwerg von 20 cm x 26,5 cm. Sie kostet € 12,–. Das ist viel und auch wieder nicht.

Der Preis ist hoch, muss man sich doch erst durch 16 Seiten Werbung blättern, ehe man auf den ersten Inhalt stößt, nämlich den Überblick über den Inhalt im Heft. Da aber erkennt man die Qualität des Layouts. So übersichtlich habe ich lange nicht mehr einen Überblick über den Inhalt einer Zeitschrift erhalten. Danach kommt wieder Werbung. Später gibt es Informationen über die Autoren. Wirklich—wirklich los geht es dann auf Seite 33!

Und von da an weiss man, warum so ein Heft € 12,– kostet. Für mich scheint das guter Journalismus zu sein. In fünf Rubriken (Affairs, Business, Culture, Design, Edits und zusätzlich Expo) erhält man einen kleinen Überblick über das, was auch noch in der Welt los ist. Und damit wird das Zielpublikum punktgenau getroffen: Der weltgewandte Geschäftsreisende. Ich gehöre da ja zum Glück nicht dazu, habe aber meinen Spaß mit Monocle.

Der Hauptartikel beschäftigt sich mit dem japanischen Militär. Mal von den vielfältigen Aspekten (Geschichte, Haltung, Publikumswirkung, Aussichten), die in dem Artikel angesprochen werden abgesehen: Das Staatsbudget für Militär wird angezeigt. Dieser eine Aspekt des Artikels, der eigentlich spezifisch ihn betrifft und keinen anderen, gewinnt jedoch an Qualität. Denn zu zahlreichen weiteren Artikeln, die über graue und bunte Orte und Staaten unserer Welt verfasst wurden, gibt es ein schönes Diagram mit den Staatsausgaben für das jeweilige Militär des beschrieben Staates.

Ob einen was da steht wirklich interessiert, ist eine andere Frage. Doch interessant ist es weitestgehend allemal. Dass freilich »Unter den Linden« in Berlin die Shopping-Meile sei, habe ich hier in Berlin bisher nicht feststellen können. Aber das von der Mosel der Wein in grotesken, bunten Katzenflaschen kommt, war mir völlig neu. – Nicht alle Artikel sind selbstlose Information (welcher Artikel wäre das je gewesen?), in vielen Dingen kooperiert Monocle mit Anbietern, etwa dem Taschenhersteller Porter. Aber es spielt immer ein wenig das Benefit für den globalaktiven Leser mit.

Das Layout ist von geistreicher Übersichtlichkeit und bestechender Zurückhaltung. Die Lesbarkeit des Heftes gerade auch aufgrund des Formates, sehr gut. Als Zugabe liegt der erste Teil eines Mangas bei, der über die nächsten Ausgaben entwickelt wird und genau das internationale Flair besitzt, das Monocle im Ganzen eignet.

Monocle ist gut.

Eine Antwort to “Monocle”

  1. medienlese » Blog Archiv » Monocle - die erste Ausgabe Says:

    […] dany.wordpress.com sagt: Monocle ist gut. Vom Format her sei es ein Zwischengrößen-Zwerg, das Zielpublikum der weltgewandte Geschäftsreisende. Er fragt sich aber, ob einen, was da steht, überhaupt interessiert. In vielen Dingen kooperiere Monocle mit Anbietern, etwa mit dem Taschenhersteller Porter. “Aber es spielt immer ein wenig das Benefit für den globalaktiven Leser mit”. […]

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