Mahoni II

Das Konzert vom Sonntag ist ja bestens dokumentiert und ein, zwei Ausschnitte findet man beim Spreeblick. Mein Eindruck dazu:

Wer Taube von Toni gehört hat, live zudem, weiss, wer den deutschsprachigen Chanson repräsentiert.

Wem die Gelegenheit sich bietet, schaue es sich an – am 1. März zum Beispiel.

Aber nun zum Konzert:

Der Salon Schmück liegt etwas Abseits in der Skalitzer Straße. Wie sich erst nach dem Konzert herausstellt, macht er seinem Namen im besten Sinne alle Ehre: denn nachdem die Gäste überwiegend davon gezogen waren, stellten die aparten Mitarbeiterinnen des Salons die Sitzgelegenheiten wieder in den vorderen, mit großen Fenstern vom Bürgersteig getrennten Raum, der die Bühne gab. Die Atmosphäre eines Coiffeurs schmiegt sich mit jedem Stück Mobiliar in den hohen Raum.

Doch vor dem Konzert hat man zunächst noch den Eindruck, das geht nicht gut, das sind zu wenige Gäste, deren Minderzahl die Stimmung drückt. Auch der hintere Raum, mit dem un—heimeligen Charme eines Siebzigerjahre-Wohnzimmers, scheint nicht wirklich gut besetzt. Schließlich, nach dem akademischen Viertel, ruft Johnny die Band zur Bühne und gibt ein paar schöne Worte mit auf den Weg. Der vordere Raum ist nun gut mit stehendem Publikum sortiert. Eng ist es nicht.

Toni fabuliert seine Lieder in einen gerupften Zusammenhang, erzählt vom Fleisch und jungen, veganen Mädchen, vom just verstorbenen Falki und andere bedenkenswerte Geschichten und Varia, womit er seinem Auftritt und den Liedern die betörende Wärme gibt. Dazu wird geraucht und Kaffe und Bier getrunken.

Die Band und Mahoni haben reichlich geübt und sind darüber zusammen gewachsen. Sie spielen gut aufeinander abgestimmt und mit der gebotenen Zurückhaltung und Freude an der mitunter zarten Sache Chanson. Mit wirklichen Profis hat man es nicht zu tun, aber das braucht es auch nicht, denn die Qualität stimmt. Die Musik kommt von der ersten Sekunde beim Publikum an. Nach der Pause wird es vor der Bühne enger, das Auditorium noch euphorischer, der Applaus länger, die Pfiffe lauter.

Nachdem das komplette Repertoire durchgespielt ist (bis auf »Osche«, das es auf der CD gibt, aber nicht aus Tonis Feder stammt, dafür gab es ja aber die Zugabe, die es nicht auf Pladde giebt), wird lange über die Güte des Erlebten diskutiert und ziehen einige verstreute Herren in gewollt kokett-lockeren Szeneklamotten oder strengen, anthrazitblauen Anzügen gleich erste Verträge aus dem Messangerbag oder Attache mit Zahlenschloss, um den Berliner Top-Act bei Majorrec… Quatsch. Das Konzertereignis wird mit Freuden goutiert und man ankert es in Seele und Herz, um sich gleich darauf dem interessierten Plausch mit Gleichgesinden zu widmen.

Aber die CD sei hiermit ebenfalls strengstens empfohlen.

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