Geld oder Leben?

Einem kurzen Interview von Peter Mühlbauer auf Telepolis folgend, hab ich mir

Wovon lebst du eigentlich?
von Jörn Morisse und Rasmus Engler

zugelegt und so gut wie durchgelesen.

Die Jungs interviewen Kreative aus vielerlei Bereichen und fragen sie nach ihrem Werdegang und Einkommen. In der Regel, so stellt sich heraus, leben die unter dem offiziellen Existenzminimum. Ich kenne auch solche Leute. Das macht nicht immer Spaß, besonders wenn man ganz schlechte Kompromisse eingehen muss (indem man zum Beispiel eben doch nicht mehr seiner eigenen Kreativität nachgehen kann, weil Zeit und Kraft für Geld verdienen ganz drauf geht). Doch scheint allen weitestgehend eines gemeinsam: es gibt keine wirkliche Alternative. Die da kreativ tätig sind haben ihr Leben danach ausgerichtet und wollen nichts anderes. Sie haben ihr eigenes Leben in die Hand genommen – auch wenn sie hier und da ein wenig da reingeschlittert sind –, um zu machen, was sie wollen und können und vor allem, um Weisungsunabhängig zu arbeiten. Dabei scheint aber den wenigsten klar zu sein, dass es »konventionelle« Berufe gibt, bei denen man relativ weisungsunabhängig arbeitet und doch ein gesichertes und regelmäßiges Einkommen erzielen kann.

Unter anderem befragten die Herausgeber Harry Rowohlt (der einzige, der mir vorher bekannt war), dessen Interview – pflichtgetreu – launig und lustig geworden ist. Überwältigend sind aber letztlich in jedem Interview die Bekenntnisse zum eigenen Schaffen, die in der Regel von hohen Selbstzweifel begleitet werden. Der Erkenntnisgewinn für den Leser ist mit den € 8,– für das bei Piper erschienene Buch kaum aufzuwiegen. Die Zweifel an der eigenen, ordentlichen Lebensgestaltung bleiben, trotz der Horrorszenarien.

Wovon lebst du eigentlich?
von Jörn Morisse und Rasmus Engler
München, Oktober 2007, 250 Seiten
€ 8,–

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2 Antworten to “Geld oder Leben?”

  1. Lapidarium42 Says:

    Buchkritik weit weg von Frankfurt

    von der Frankfurter Buchmesse bin ich wenig begeistert weil sie meine Reisepläne diese Woche etwas durcheinander gebracht hat (irre Hotelpreise im ganzen Umland).

    Aber Bücher und Buchkritik lassen sich auch bei den Kritikern finden.

    So eine Bem…

  2. Die Sache mit dem Paul Graham Artikel « Die Kritiker Says:

    […] Die Sache mit dem Paul Graham Artikel Zu tun, was man liebt, ist nicht so einfach. Das weiß ich, weil ich den Artikel How to do what you love von Paul Graham gelesen habe, nachdem Katrin Passig von der Zentralen Intelligenz Agentur auf den Artikel aufmerksam machte – im Interview mit Jörn Morisse und Rasmus Engler. […]

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