Nordlichter

Bzw. »Northern Lights«, der erste Teil der His Dark Materials-Trilogy von Philip Pullman, deren erster Teil schon einige Wochen als »Der goldene Kompass« im Kino läuft, ist – wie anders nicht zu erwarten – deutlich komplexer als die durchaus sehenswerte Verfilmung.

Rüdiger Suchsland hatte sich mit der Verfilmung auseinandergesetzt und eine – vertretbare – Verflachung dargestellt. Statt der harschen Kritik gegen Kirche, Hierarchien und Doktrinen, ist einiges davon »ganz schön verwässert worden«, schreibt Suchsland. Seine gleichwohl positive Rezension hat mich bewogen, den Film, gut drei Jahre, nachdem ich die Trilogie verschlungen habe, anzuschauen.

Nach Sichtung des Films (der den ersten Teil »Northern Lights« nicht ganz zu Ende erzählt) sah ich mich in der Pflicht, nochmal von vorne anzufangen – im Buch. Und siehe, schon die ersten Seiten machen deutlich, welche Zugeständnisse man bei der Verfilmung machte und wie die bunte Mischung von Grautönen, mit der jede Figur ausgestattet ist, deutlich schwächer wird. Lord Asriel ist eigentlich sehr viel harscher und unfreundlicher, als Daniel Craig es je mimen könnte (der Mann sieht einfach zu lieb aus, auch in schlimmen Momenten eines James Bond). Der Master des Colleges vergiftet den Tokaier, und nicht ein Abgesandter des Magisteriums. Und warum? Um Lyra zu schützen! Schon diese irrwitzige Konstellation, die den Leser in Spannung versetzt, geht im Film verloren. Und das ist nur der Anfang.

Wir überspringen den großen Mittelteil und kommen gleich zum Ende des ersten Bandes – der im Film fehlt. Das Stück bekam ein – mehr oder weniger beruhigendes – Happy End. Warum auch immer. Was im Buch folgt, ist bereits vorgezeichnet, das böse Ende kommt sicher zu Beginn des 2. Teils der Verfilmung, »The Subtle Knife«. Damit dürfte die verstörende Wirkung, mit der der erste Band endet, leider verloren gehen. Wer den Film gesehen hat, geht zufrieden nach Hause, wer den ersten Band gelesen hat, verliert ein wenig Lebensfreude.

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