Australien

Frau Kidman ist nicht mein Stil. Ich mag die nicht. Finde auch, sie schauspielt nicht so toll. Halte sie für überbewertet. Hat was von einer Nervensäge (und da gibts so einige Schauspielerinnen auf meiner Agenda). Übrigens liegt das entscheidend an der Nase. Das ist keine Nase, was Frau Kidman da mit sich trägt.

Letzteres finde ich auch jetzt noch. Das andere – man hat mich überzeugt.

Epen? DER FILM? Ich war über 30, ehe ich das erste mal »Casablanca«, »Vom Winde verweht«, »Ben Hur« – zählts nur frisch auf – gesehen habe. O.K., Der Leopard, den habe ich früh gebannt geschaut und verehre ihn (in der langen Originalfassung, auch wenn ich kein Wort italienisch kann). Aber sonst. Der große Film? Nicht mein Ding. Dr. Schiwago hab ich bis heute nicht gesehen.

Aber heute (genauer: gestern Abend) sah ich »Australia«. Nicht, dass ich mich nun einen Fan von Frau Kidman nenne (obwohl sie ja auch in dem Remake »Die Frauen von Stepford« in den ersten Minuten ein ganz gutes Bild abgegeben hat ). Aber sie ist eine sehr gute Schauspielerin – jedenfalls in diesem schönen und großzügigen Epos. Und die Nase fand ich gar so schlimm nicht. Denn die verschwand hinter der sehr beweglichen und überzeugenden Spielerei von Frau Kidman. Wen interessiert schon die Nase, wenn der gespielte Charakter auf der Leinwand lebendig wird. In einem Film, der nur zum Schluss einen Tick zu wasserfreundlich wird. Aber das ist, nach dem was dem über zwei Stunden vorausging, akzeptabel.

Australia ist ein sehr guter, unterhaltender und trickreich erzählter Film, mit überzeugenden Darstellern, ein wenig leichtgewichtiger digitaler Animation und hier und da zuviel des Guten bei den Kamerafahrten und -einstellungen, der einem 2,5 Stunden Freunde bereitet. Nicht das Schlechteste in diesem Kinowinter.

Australia
Australien 2008
R.: Baz Luhmann
D.: Nicole Kidman, Hugh Jackman, David Wenham u.v.a.m. (vor allem Ben Mendelsohn, der mir als Captain Edward Dutton bestens gefallen hat)

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10 Antworten to “Australien”

  1. meistermochi Says:

    habe ihn in paris gesehen. großartig! wer dafür kein herz hat, hat keins!

  2. hwirtz Says:

    Ich fand’s einen rechten Schmarrn: Wenn es „Out of Africa“ und „Gone with the wind“ nicht geben täte: ja, dann wär’s was. Aber immehin schöne Kostüme und schöne Landschaften. Der Film wurde nicht umsonst von der Australischen Tourismusbehörde unterstützt.

  3. meistermochi Says:

    na komm das drehbuch hatte was. die figuren wurden herrlich geläutert.

  4. dany Says:

    So—so, ein Schmarrn. Ha. – Mich würd ja interessieren, was Lutz von Hagedorn dazu sagte.

    Also ich fühlte mich bestens unterhalten und Frau Kidman (und der Rest der Meute) spielte fein. Und es war größer und besser als das Hollywoodkino, das nur noch in der Lage ist, Topstars und Action überschnell ge- und CGI verschnitten zusammenzurühren.

    Also wirklich.

    Die Tage äußere ich mich gerne noch zu einem Film, der hwirtz vielleicht besser anstünde: Alter & Schönheit.

    @meistermochi: Danke für die Unterstützung

  5. Pieter Says:

    Am Samstag auf dein anraten hin angesehen und ich bin schon verblüfft, wie weich du geworden bist. Vor 5 Jahren hättst du diesen zweit- bis drittklassigen Film zerrissen (bin ich ziemlich sicher).
    Kidmann ist der Lichtblick, die große Darstellerin, die die sehr konstruierte Geschichte einigermaßen am Leben erhält. Ansonsten bleibt nicht viel, dauernd mit Filtern rot und violett getauchte Sonnenauf und Untergänge das einem übel wird. Eine anstrengende Filmmusik. Der Schnitt ist über weite Strecken miserabel. Die Jungenstimme aus dem Off nervig. Der australischen Magie zu viel Aufmerksamkeit geschenkt. Die Problematik der Mischlinge wurde überhaupt nicht ernsthaft ausgearbeitet. Die Liebesgeschichte war nicht überzeugend. Ich erinnere nur an Out of Africa: Ich glaube es dauert 1,5 Stunden bis die beiden sich wirklich finden und das nachvollziehbar. Effekterhaschende Szenen mit der Rinderherde an einem Abgrund tiefer als der Grand Canyon hatte Out of Africa nicht nötig. Dann beleiht man sich mindestens an 2 Stellen zu offensichtlich an Out of Africa, nämlich die Problematik er will seine Freiheit sie droht ihm, dass er dann nicht wieder kommen braucht und die Szene als sie an der Theke obwohl Männerdomaine doch einen Drink bekommt… lächerlich.
    Es gibt für mich nur eine wirkklich großartig erzählte Liebesgeschichte auf nicht europäischem Kontinent – Out of Africa. Australia ist ein schwacher Abklatsch.

    Übrigens ich war am Wochenende noch in „Glaubensfrage“ und das ist wirklich großartige Schauspielkunst von allen 3 Hauptfiguren Streep natürlich ganz vorne dabei und eine fokusierte Geschichte, die einem bis zum Schluss in Aufregung belässt. Ich sag nur ZWEIFEL.

  6. meistermochi Says:

    einfach mal filme im originalton gucken.

  7. dany Says:

    Alles was recht ist, aber vielleicht werde ich in der Tat altersmilde. – Naund. Ich schaue damit mehr nach dem Guten im Mittelmäßigen. Und nochmal: Hollywood bietet derzeit nichts Vergleichbares.

    Glaubensfrage fällt da unter eine andere Kategorie und ist so nicht vergleichbar. Ich hege keinen Zweifel an den da freigesetzten schauspielerischen Qualitäten.

    Mal schaun, ob mans sieht.

  8. Nina Says:

    Grauenhaft. Was für eine Farce.

    Und wir hatten uns als australische Familie auf den Film gefreut. Wie peinlich.

    Kein noch so plattes Klischee wurde ausgelassen.

    Die Optik war diletantisch. Erinnerte mich an die Pappkulissen von Bonanza.

    Der Zusammenhang zwischen dem rainbow serpent – rainbow – wizard of Oz rollt einem Fußnägel auf. Was für ein Quatsch.

    Warum die australische Toruismusbehörde dieses Werk unterstützt, ist mir ein Rästel.

    Du hast mehr zu bieten Australien.

  9. meistermochi Says:

    blick von außen:

    mir hats gefallen. und ich halte euch aufgrund des filmes jetzt nicht für spinner.

    und wenn austrlien noch mehr zu bieten hat, steht es in jedem fall auf meiner liste.

  10. dany Says:

    Ja aber, Klischee und Farce sind ja was Schönes – richtig angewandt und umgesetzt. Und das hat mE bei diesem Film hingehauen. Und, wie gesagt, unterhalten habe ich mich bestens.

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